Mittelland

Schlosspark Jegenstorf

Schlosspark Jegenstorf
Jegenstorf/ BE

Müssiggang im Schatten alter Bäume

Ein Park, der zum besinnlichen Flanieren oder mussevollen Verweilen einlädt, etwa zum Lesen im Schatten alter Bäume, oder einfach zum Sinnieren. Alles, was es dafür braucht, ist da: In der Mitte ein Schloss, dazu eine Orangerie mit inspirierenden Jugendstilelementen, imponierende alte Bäume, ein Teich mit Fischen sowie ein stattlicher Obstgarten, der köstlichen Apfelschaumwein und verschiedene Obstbrände liefert. Und im späten Frühling kann sich der Besucher von einem Blütenmeer der Pfingstrosen berauschen lassen. Am Rande des Parks lädt zudem ein kleines Café ein, so dass das Ganze schon wie eine Oase anmutet – gepflegt, schlicht und schön. Überdies bietet das Schloss mit seinen Ausstellungen mehr als eine elegante Kulisse. Verständlich, dass hier immer wieder kulturelle Anlässe geboten werden.

 

Schloss Jegenstorf, einst eine mittelalterliche Wasserburg, wurde vom Berner Adligen Albrecht Friedrich von Erlach um 1720 zu einem barocken Landsitz umgebaut. Erlach hatte sich dazu auf seinen Reisen von Schlössern in Frankreich inspirieren lassen. Zugleich war es wohl auch der Versuch, eine kleine romantische Welt im Bernischen zu etablieren. So geht etwa das grosse Wasserbecken noch auf diese Gründerzeit zurück. Der heute dazugehörende Grottenbogen mit Wassernymphe kam hingegen erst später hinzu.

Wandlungen

Wie so oft, wurde die barocke Anlage später dem veränderten Zeitgeschmack angepasst. Der letzte private Besitzer des Schlossgutes, Arthur von Stürler, liess das Schloss 1913-1915 aufwendig renovieren und dabei einen Grossteil des Parks im Stil des englischen Landschaftsgartens umgestalten. Die geschwungenen Kieswege und die Baumgruppen sind Ausdruck dieser Veränderungen. Im Verlauf des 20. Jahrhundert kamen weitere Stilrichtungen hinzu, so auch Anleihen des Architekturgartenstils nordöstlich vom Schloss.

1936 erwarb ein Verein zur Erhaltung des Schlosses das Anwesen und machte es öffentlich zugänglich. 1955 wurde die Stiftung Schloss Jegenstorf neue Besitzerin. Seither sorgt sie für den baulichen Unterhalt der Gebäude und der Parkanlage. Im Jahr 2000 wurden umfangreiche Sanierungsarbeiten im Park abgeschlossen. So wurde im südlichen Bereich die Anlage mit barockem Teich, Allee und einem Arboretum weitgehend nach dem Aufnahmeplan von 1764 wiederhergestellt. Als zusätzliche Attraktion wurde ein Päoniengarten (Pfingstrosen) angelegt.

Auch auf der politischen Bühne hatte Schloss Jegenstorf kurzzeitig Bedeutung erlangt. Vom Oktober 1944 bis zum Ende des Weltkrieges diente es nämlich der Schweizer Armee als Kommandoposten. General Henri Guisan hatte ihn von Interlaken nach Jegenstorf verlegt. Gleichzeitig zog ein Teil des Armeestabes nach Burgdorf um. Zahlreiche Anekdoten beschreiben die Verehrung der Jegenstorfer für „ihren“ General. Hier hatte Guisan am 8. Mai 1945 dem Schweizerischen Militärstab auch den Friedensschluss verkündet.

Heute beherbergt das Schloss ein Museum für bernische Wohnkultur sowie diverse Dauer- und Sonderausstellungen. In den prächtig ausgestatteten Interieurs sind Einrichtungsgegenstände bürgerlicher und patrizischer Haushalte der alten Stadt und Republik Bern zu sehen. Der Park rund um das Schloss ist eine kleine und feine Rarität geblieben.

Adresse

3303 Jegenstorf/ BE, General-Guisanstrasse 5
Frei zugänglich, Eintritt frei