Tessin

Parco Scherrer

Parco Scherrer
Morcote/ TI

Choreografierte Wunderwelt

Morcote, der malerische Ort am See, liegt zehn Kilometer südlich von Lugano. 2016 wurde er zum schönsten Dorf der Schweiz gekürt. Dazu gehört auch der Parco Scherrer, dessen Eingang sich rund 300 Meter von der Schiffsanlegestelle entfernt, Richtung Figino findet. Dort wachsen in traumhafter Lage Palmen, Kamelien, Glyzinien, Oleander, Zedern, Zypressen, Kampfer, Eukalyptus … Und dazwischen gibt es viel anderes zu entdeckten.

Geschichte

Arthur Scherrer aus St. Gallen hatte an diesem Hang ein persönliches Kunstwerk geschaffen, das noch immer eine besondere Atmosphäre ausstrahlt. Eingebettet in üppige subtropische Vegetation, lassen sich Kunstwerke und Architektur von fernen Kulturen und in unterschiedlichsten Stilen entdecken. Ein wahres Panoptikum. Doch man weiss nicht recht, was man davon halten soll. Kitsch? Cool? Kultur? Sammelsurium, Wundertüte oder hochwertige Sammlung? Man weiss es nicht wirklich.

Bis 1930 wuchsen an diesen Hängen Weinstöcke und Kastanienbäume. Dann kaufte Arthur Scherrer das Grundstück mit Aussicht auf den Luganersee und die Hügel der Provinz Varese. Der erfolgreiche Textilkaufmann und Kunstliebhaber war damals 49 Jahre alt und begann recht forsch den Hang zu gestalten. Nach einigen Jahren waren Terrassen angelegt und eine Vielzahl exotischer und orientalischer Gewächse gepflanzt, die Scherrer auf seinen Geschäftsreisen entdeckt und bewundert hatte.

Zugleich sollte die üppige Vegetation den passenden Rahmen für orientalische Kunstwerke und Architekturen abgeben. So reproduzierte Scherrer fortlaufend diverse Tempel und Kunstwerke aus fremden Ländern und liess sie im verkleinerten Massstab im Park aufstellen. 1956 starb Scherrer. 1965 bot seine Witwe den Park der Gemeinde Morcote als Schenkung an, mit der Auflage, ihn dem Publikum zu öffnen. Seither ist die Anlage öffentlich zugänglich.

 

Ferne Kulturen

Der Park besteht aus zwei Arealen mit je vorherrschenden Stilen: dem mediterranen und dem asiatischen. Der Zugang ist definiert, nämlich unten an der Strasse. Ein Rundgang lässt zwar frei wählbare Varianten offen, ist aber durch die Anordnung von Treppen, Wegen, Terrassen und Sehenswürdigkeiten im Grunde doch vorgegeben. Er führt zunächst durch die mediterranen Gärten im Renaissance- und Barockstil, anschliessend durch Bambushaine in den orientalisch geprägten Bereich.

Vom Eingang gelangt man über eine Treppe zur ersten Terrasse. Dort befindet sich ein hübscher venezianischer Zierbrunnen mit byzantinischen Löwen auf einer Renaissancesäule. Zwei grosse Barock-Löwen bewachen die Treppe zur nächsten Terrasse. Unter einer Pergola mit Backsteinsäulen kommt man an Statuen der vier Jahreszeiten vorbei und kann eine mächtige Libanonzeder bewundern. Zum nächsten Blickfang wird ein Marmorbrunnen, flankiert von Säulen eines Belvedere. Zwischen den Azaleen machen Statuen von Venus, Herkules, Juno und Jupiter auf sich aufmerksam. Von der Aussichtsterrasse bietet sich ein malerischer Blick auf die südliche Bucht des Luganersees.

Oberhalb dieser Terrasse erhebt sich eine imposante Nachbildung des Erechtheion-Tempels der Akropolis, dessen Dach von sechs weibliche Stützfiguren getragen wird. Noch eine Etage höher erhebt sich ein Sonnentempel im maurischen Stil, der an die Gärten der Alhambra in Granada erinnern will.

Gelangt man hinüber in den orientalischen Teil des Parks, wechselt auch die Pflanzenwelt, die vor allem durch Bambus und japanischer Ahorn geprägt ist. Hier kann man ein siamesisches Teehaus und einen ägyptischen Tempel mit einer Büste der Nofretete betrachten. Die Wände sind im altägyptischen Stil bemalt.

Einige Schritte weiter stösst man auf ein unvollendet gebliebenes arabisches Haus, umgeben von Palmen und einem Wasserlauf, der eine Oase in der Wüste assoziieren soll. Statuen von nubischen Sklavinnen säumen den Abstieg zur Terrasse mit dem Indischen Palast. Neben dem Haus befindet sich der indische Garten mit einem Wasserbecken und vier Elefanten. Noch weiter oben sieht man drei angriffsbereite Kobras und eine heilige Kuh.

Kleine Wunderwelt

Zwischen all diesen Sehenswürdigkeiten lassen sich noch viele andere Elemente sowie wunderbare Blickachsen entdecken. Dass der Ostschweizer Scherrer neben fremden Ländern auch vom Tessin fasziniert war, will das letzte Gebäude beim Ausgang zeigen: Ein Haus im Lombardisch-Tessiner Stil des 19. Jahrhunderts, das heute als Grotto genutzt wird. 

Insgesamt ist an diesem Hang eine kleine Wunderwelt entstanden, die Natur, Architektur und Kunst verschiedenster Epochen und Stile präsentiert. Zudem bietet der Park einen originellen Rahmen für kulturelle Veranstaltungen, die hier regelmässig stattfinden. Etwas skurril und ein bisschen verrückt ist er halt schon, dieser Parco Scherrer. Gerade darum sollte man ihn besuchen.

 

Adresse

6922 Morcote/ TI, Vicinanze lungolago
Öffnungszeiten: 15. März-15. Oktober
Eintritt: Billett erforderlich

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